Quartierentsorgungspunkt Kannenfeld schliesst – Kritik aus dem Quartier

Per 28. Juli 2026 schliesst das Bau- und Verkehrsdepartement den Quartierentsorgungspunkt Kannenfeld. Das Pilotprojekt endet – im Quartier stösst der Entscheid auf breites Unverständnis.

Die Bilanz des Pilotprojekts

Bis Mitte 2023 verzeichnete der Entsorgungspunkt rund 19’000 Besuche und 83 Tonnen Recyclingmaterial, 2025 waren es bereits 173 Tonnen. Noch im August 2023 stellte Regierungsrätin Esther Keller in Aussicht, dem Regierungsrat weitere Quartierentsorgungspunkte zu empfehlen. Nun endet das Pilotprojekt.

Wie der Kanton den Entscheid begründet

Der Kanton verweist auf Kosten von rund 1’000 Franken pro gesammelter Tonne und eine jährliche Entlastung der Abfallrechnung von rund 170’000 Franken. Zudem verlange das Bundesrecht eine verursachergerechte Finanzierung über Gebühren. Als Alternativen nennt das Bau- und Verkehrsdepartement private Recyclingparks, bestehende Wertstoffsammelstellen und den geplanten Ausbau der Bioabfallsammlung.

Unverständnis im Quartier

Im Quartier wird die Kostenbegründung vielerorts hinterfragt. Ein Argument fällt besonders häufig: Alles an einem Ort entsorgen zu können, macht Recycling einfach. Glas, Karton, Metall, Bioabfälle oder Elektroschrott lassen sich auf einem einzigen Weg – meist zu Fuss oder mit dem Velo – entsorgen. Gerade diese wohnortnahe Lösung erleichtert den Alltag und motiviert viele Menschen überhaupt erst, ihre Abfälle konsequent zu trennen.

«Die Anlage wird bis zu 150-mal täglich genutzt. Die Menschen bringen ihre Wertstoffe zu Fuss oder mit dem Velo vorbei. Gerade in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit immer wieder eingefordert wird, ist es widersprüchlich, ein funktionierendes Angebot aus Spargründen aufzugeben», sagt Remo Fankhauser, Präsident des Neutralen Quartiervereins Kannenfeld.

Weitere Punkte werden angeführt: Die Sammelstelle werde über Gebühren mitfinanziert, aus Bioabfällen entstehe Biogas, und viele Anwohnende berichten, dass die wohnortnahe Sammelstelle zu einem sauberen Quartier beitrage. Befürchtet wird zudem, dass künftig wieder mehr Autofahrten zu weiter entfernten Stellen nötig werden und die Bereitschaft zur konsequenten Abfalltrennung sinkt.

Ein möglicher Kompromiss

Am Quartierdialog Kannenfeldplatz wurde vorgeschlagen, die Öffnungszeiten zu reduzieren, statt den Standort ganz aufzuheben.

Das Stadtteilsekretariat Basel-West nimmt in dieser Frage keine parteipolitische Position ein. Auffällig ist jedoch, dass der Entscheid weit über politische Lager hinaus auf Unverständnis stösst. Quartiernahe Entsorgungsangebote erleichtern nachhaltiges Verhalten im Alltag und tragen zu einem lebenswerten Quartier bei. Diese Anliegen bringt das Stadtteilsekretariat im Austausch mit dem Bau- und Verkehrsdepartement ein.


→ Medienmitteilung Kanton Basel-Stadt: Quartierentsorgungspunkt Kannenfeld